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Uno 24

Einzeigeruhren gab es schon vor Hunderten von Jahren. Wiederentdeckt und neu interpretiert als Armbanduhren wurden sie von Klaus Botta. Der Designer aus Königstein bei Frankfurt bietet eine kleine, aber feine Kollektion von außergewöhnlichen Zeitmessern an, darunter mehrere Einzeigeruhren mit Quarzwerken und mechanischen Kalibern. Der Anteil der von Sammlern bevorzugten mechanischen Uhren wird weiter ausgebaut. Wir besuchten Klaus Botta und ließen uns erläutern, wie ihm die Idee zur Einzeigeruhr UNO gekommen ist.

Wann geht es bei der Terminplanung eigentlich wirklich um Sekunden? Sicher, beim Raketen-Countdown. Und in der Silvesternacht, wenn pünktlich auf das neue Jahr angestoßen werden soll. Ansonsten erscheint es aber ziemlich unerheblich, ob es nun 12.36 Uhr oder 12.37 Uhr ist. Zumindest für alle, die sich einen souveränen Umgang mit der Zeit bewahrt haben und ihr Leben nicht mit dem Sekundenzeiger synchronisieren möchten. Das bedeutet übrigens keineswegs, zu den chronisch unpünktlichen Zeitgenossen zu zählen. Ganz im Gegenteil, wer nicht im Sekundentakt lebt, kommt in der Regel nicht „auf den letzten Drücker“, sondern geht ein paar Minuten früher zum Bahnhof oder zum Rendezvous. Das entspannt ungemein.

Klaus Botta
Designer Klaus Botta

Einzeigeruhren sind ein ganz individuelles Statement des Trägers für den souveränen Umgang mit der Zeit. Nur der Stundenzeiger zieht gemächlich seine Runden über das Zifferblatt. Die Strecke von einer Stunde zur nächsten ist in Fünf-Minuten-Schritte unterteilt. Wie die Nadel eines Tachometers bewegt sich der Zeiger über die feine Skaleneinteilung. Ist der nächste Index erreicht, sind fünf Minuten verstrichen. Auch Träger von Einzeigeruhren wissen somit recht genau, wann es zum Beispiel fünf Minuten vor Zwölf ist. Ein übersichtliches und gut ablesbares Zifferblatt ermöglicht sogar noch präzisere Zeitinformationen.

Längst haben sich Einzeigeruhren eine treue Fangemeinde erobert, die diese Zeitmesser als ihren ganz persönlichen Beitrag zur Entschleunigung des Alltags ansieht. „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl’ die heitren Stunden nur“, heißt es in einem nicht nur bei rheinischen Frohnaturen geschätzten Lied. Einzeigeruhren weisen gegenüber diesen inspirierenden Vorbildern sogar den Vorteil auf, die heiteren Stunden der Nächte zu zählen, wenn Sonnenuhren naturgemäß ein Schattendasein fristen.

Dabei ist die Idee, auf Minuten- und Sekundenzeiger zu verzichten, keineswegs neu – ganz im Gegenteil. Tatsächlich nämlich kamen die ersten tragbaren mechanischen Uhren des ausgehenden 17. Jahrhunderts mit nur einem Zeiger auf den Markt. Bis heute gibt es zudem alte Turmuhren, die lediglich die Stunden anzeigen. Und sogar die Souscriptionsuhr von Abraham Louis Breguet (1747-1829), der Ikone der hohen Uhrmacherkunst, wies nur einen Zeiger auf.

Die Wiederentdeckung der Einzeigeruhr

Uno Automatik
Uno Automatik

Die zeitgenössischen Einzeigeruhren hingegen werden vor allem mit einer Marke in Verbindung gebracht, deren Name Bezug nimmt auf eine bekannte Oper von Richard Wagner. Doch ist es gewiss keine Beckmesserei, wenn man feststellt: Die Renaissance der Einzeigeruhr begann nicht erst mit der Gründung dieser Marke vor etwa zehn Jahren. Die Spu(h)rensuche führt zu überraschenden Erkenntnissen. Zunächst führt sie aber nach Königstein im Taunus vor den Toren der Finanzmetropole Frankfurt. Dort arbeiten Klaus Botta und sein Team. Seine Firma Botta-Design konzipiert und entwickelt seit 1986 technische Geräte und Armbanduhren. Offenkundig mit einigem Erfolg, immerhin wurden Produkte von Botta-Design bisher mit über 30 Auszeichnungen prämiert. Aber nur wenige wirkliche Uhrenfreunde und Brancheninsider wissen, dass die Idee zu einer modernen Einzeigeruhr eben auf Klaus Botta zurückgeht.

„Während meines Designstudiums in den 1980er Jahren fiel mir auf, dass Armbanduhren immer komplizierter wurden“, erinnert sich Botta an die Anfänge seiner Zeit als Uhrendesigner. Und er macht keinen Hehl daraus, dass Zeitmesser, die eher runden Rechenschiebern gleichen, seiner Vorstellung von einer übersichtlichen Uhr nicht entsprechen. „Ich habe mir damals also die Frage gestellt, was eine Uhr wirklich braucht. Letztlich handelt es sich um ein Messinstrument“, sagt Botta. Der Nutzer soll mit einem Blick die gewünschte Information erhalten. „Keine der damals angebotenen Uhren hat mich wirklich überzeugt.

Also kaufte ich lediglich ein Gehäuse und ließ mir eine Zwei-Zeiger-Uhr nach eigenen Entwürfen bauen. Das war im Jahr 1983“, berichtet der Königsteiner Designer. Eine lediglich auf die Funktion der Zeitanzeige reduzierte Zwei-Zeiger-Uhr – puristischer geht es eigentlich nicht mehr, sollte man meinen. Doch dann hatte Botta die Idee, ein Anzeigeprinzip zu entwickeln, mit dem es gelingt, mit nur einem Zeiger die Zeit ausreichend genau darzustellen. Dazu war auch die Entwicklung einer neuen Skaleneinteilung mit Stunden-, Halbstunden- und Fünfminuten-Indexen wichtig.

Tres - Automatik
Tres - Automatik

Zunächst blieb es nur bei einem Entwurf und einem Modell, die Botta im Jahr 1986 anfertigte. Er selbst war skeptisch, ob eine so minimalistische Uhr wirklich Käufer finden würde – zumal in einer Zeit, da die Quarzuhren neue Standards in punkto Genauigkeit setzten. Eine Einzeigeruhr indessen kann aufgrund der fehlenden Minuten- und Sekundenzeiger niemals eine so exakte Zeitinformation geben wie eine Dreizeiger-Uhr.

So lag der Entwurf für Bottas Einzeigeruhr, die den vielsagenden Namen UNO tragen sollte, längere Zeit in der Schreibtischschublade. Der Designer entwarf und entwickelte unterdessen Armbanduhren für Unternehmen wie Watchpeople, Junghans und Bestform. Anfang der 1990er Jahre aber konnte er einen seiner Geschäftspartner von seiner ungewöhnlichen Einzeigeruhr überzeugen – es war Manfred Brassler, heute Inhaber von MeisterSinger. Die Einzeigeruhr wurde realisiert und war vom Start weg ein Erfolg.

„In den Folgejahren entwickelte sich die UNO zur meistgekauften Uhr von Watchpeople“, sagt der Designer. Später wurde dieser Vertriebspartner verkauft – und die Lizenzen fielen wieder an Klaus Botta zurück. Im symbolträchtigen Jahr 2000 fasste der Designer dann den Entschluss, die von ihm entworfenen und entwickelten Armbanduhren unter eigenem Namen zu vertreiben.

„Jede Uhr hat eigenen USP“

Botta Design - Clavius
Botta Design - Clavius

Für einen kleinen Anbieter wie Botta-Design nimmt sich seine Modellpalette schon bemerkenswert facettenreich aus. So unterschiedlich die Zeitmesser sein mögen, sie folgen alle konsequent der „Botta-Philosophie“. Auf Klarheit, Eindeutigkeit, Reduktion und eine kompromisslose Funktionalität komme es ihm bei allen seinen Uhren an, versichert Botta. Und natürlich auf ein zeitgemäßes Design, „das weder modisch noch historisierend ist“. Mit dieser Linie will sich Botta nicht zuletzt vom übrigen Marktangebot abgrenzen. Hinter jeder Uhr stehe ein Konzept mit spezifischem Thema. „Jede Uhr hat ihren ganz eigenen USP, also ihr individuelles Alleinstellungsmerkmal“, unterstreicht Botta.

Die Absage an kurzlebige Lifestyleprodukte schließt das Bekenntnis zu Langlebigkeit und Qualität ein. Sowohl die Quarzwerke als auch die mechanischen Kaliber der Uhren kommen von namhaften Herstellern aus der Schweiz. Gefertigt werden die Botta-Uhren von zwei Partnerbetrieben in Pforzheim. „Wir lassen unsere Entwürfe ausschließlich in deutschen Spezialbetrieben mit jahrzehntelanger Erfahrung realisieren“, versichert Klaus Botta.

Obwohl bisher der überwiegende Teil der Botta-Uhren von Quarzwerken des Schweizer Herstellers Ronda angetrieben wird, ist das Angebot an mechanischen Uhren gewachsen. Von Kennern geschätzt wird vor allem natürlich die Einzeigeruhr UNO Automatik, die es mit weißem und schwarzem Zifferblatt sowie mit und ohne Datumsanzeige gibt. Mit einem Durchmesser von 42 Millimetern ist das Gehäuse dieser Automatikuhr etwas größer als das ihrer Quarz-Schwestern (35 und 40 Millimeter). Im Inneren des Automatikmodells tickt ein alter Bekannter – das zuverlässige ETA-Kaliber 2824-2, das auch in den Uhren deutlich teurerer Marken seinen Dienst verrichtet.

Argos Lumen
Argos Lumen

Zwar muss man für die UNO Automatik tiefer in die Tasche greifen als für das Quarzmodell, mit einem Preis von 690 Euro gehört dieser Zeitmesser dennoch zu den günstigen mechanischen Uhren. Eng verwandt mit der UNO ist die Dreizeigeruhr TRES, die es ebenfalls sowohl mit Quarz- als auch mit Automatikwerk gibt. Diese Uhr von schlichter und zeitloser Eleganz überzeugt mit einem sehr aufgeräumten Zifferblatt und guter Ablesbarkeit. In das Edelstahlgehäuse wird ebenfalls das ETA-Kaliber 2824-2 eingeschalt. Wie die UNO ist die TRES mit weißem oder schwarzem Zifferblatt für 690 Euro erhältlich. Die TRES gibt es zusätzlich mit einem cremefarbenen Zifferblatt und dunkelbraunem Lederband.

Optimale Ablesbarkeit steht beim dritten Automatikmodell, der ARGOS, im Vordergrund. Das Zifferblatt ist hierfür klar in einen schwarzen Minutenbereich und einen weißen Stundenbereich aufgebaut. Sehr deutliche Stundenziffern erleichtern die Orientierung, ebenso der maximale Kontrast zwischen Zeigern und Zifferblatt. „Ihre Formgebung und Grafik folgt konsequent der Funktion und bietet damit puren Funktionalismus im Sinne von Bauhaus“, sagt Botta. Wie die anderen Automatikuhren aus dem Hause Botta wird die ARGOS Automatik von einem ETA 2824-2 angetrieben, der Preis liegt ebenfalls bei 690 Euro.

Die Aura der leuchtenden ARGOS

Eine interessante Variante stellt das Quarzmodell ARGOS Lumen dar. Das komplette Zifferblatt dieser Uhr wird mit dem Leuchtstoff Superluminova beschichtet. Es leuchtet daher bei Dunkelheit vollständig, und zwar ohne Energieverbrauch. Die Rückseiten des Stunden- und Minutenzeigers sind ebenfalls mit Leuchtstoff belegt. Bei Helligkeit laden sich die Rückseiten über das vom Zifferblatt reflektierte Licht auf. Es entsteht eine leuchtende Aura rings um die Zeiger. Dieser außergewöhnliche Zeitmesser ist für knapp 400 Euro zu haben.

Solus
Solus

Klaus Botta möchte den Anteil mechanischer Uhren in seiner Kollektion in den nächsten Monaten weiter ausbauen. Noch im Jahr 2011 soll die UNO 24 mit Mechanikkaliber auf den Markt kommen. „Schon einige Monate vor der Lancierung lagen uns zahlreiche Bestellungen vor“, freut sich Klaus Botta. Die Besonderheit dieser Einzeigeruhr: Der Zeiger legt innerhalb von 24 Stunden lediglich eine Umdrehung zurück – beim Klassiker UNO dreht der Zeiger pro Tag zweimal seine Runden. Die bisher schon als Quarzmodell erhältliche UNO 24 bildet den Verlauf des Tages als analoge Grafik ab. Die Ausrichtung des Zeigers auf dem Zifferblatt entspricht dem jeweiligen Stand der Sonne am Himmel.

Das Angebot an Quarzuhren in der Botta-Kollektion wird komplettiert von der klassischen TITAN Serie, der CLAVIUS, ebenfalls mit Titangehäuse und einer Ringfenster-Anzeige, der SOLUS sowie der extrem leichten und flachen HELIOS, die gerade einmal 28 Gramm auf die Waage bringt und der Höhe einer 1-Euro-Münze entspricht. Angetrieben wird diese mehrfach ausgezeichnete Uhr von einem Ronda 1009 Quarzwerk. Ausgewählte Botta-Modelle sind überdies als „Black Edition“ mit schwarzer PVD-Beschichtung erhältlich.

Derweil bereitet Klaus Botta die Lancierung seiner bisher wohl größten Einzeigeruhr vor: Mitte des Jahres 2011 soll die UNO als Wanduhr auf den Markt kommen, ausgestattet mit einem Junghans-Funkuhrwerk. Gedacht für alle Menschen, die sich in ihren eigenen vier Wänden oder im Büro nicht von Minuten- und Sekundenzeigern antreiben lassen möchten.

botta-design.de

Bilder: Botta-Design