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Anonimo Uhren

In der Renaissance-Stadt Florenz begann nicht nur die Erfolgsgeschichte der Uhrenmarke Panerai. Im Jahr 1997 wurde dort auch die kleine, aber feine Marke Anonimo gegründet. Im Team mit dabei waren viele bekannte Personen, die einst Panerai groß gemacht haben. Mittlerweile hat das einstige italienische Unternehmen seinen Sitz in der Schweiz. Michael Brückner stellt es vor.

Als Zentrum des mittelalterlichen Handels- und Finanzwesens brachte es Florenz zu unglaublichem Reichtum und Wohlstand. Dass in der Hauptstadt der Toskana einst die Wiege der Renaissance stand, kann daher kaum überraschen. Jahr für Jahr besuchen Tausende von Touristen aus aller Welt diese geschichtsträchtige Stadt, die seit den 1980er Jahren zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.


Uhrenfreunde assoziieren mit Florenz eine ganz bestimmte, weltweit gefragte Marke: Panerai. Im Jahr 1860 hob Giovanni Panerai in der Ponte alle Grazie ein Uhrenfachgeschäft aus der Taufe. Der Schriftzug „Orlogeria Svizzera“ am Eingang des Geschäfts zeugte von den engen Verbindungen Panerais mit den ältesten Uhrenmanufakturen in der Schweiz. Viele Jahrzehnte befand sich die Firma Panerai, die schon sehr schnell zum Lieferanten der italienischen Marine avanciert war, im Familieneigentum. An der Spitze stand stets ein Nachkomme des Unternehmensgründers. Nach dem Tod von Giuseppe Panerai jedoch übernahm der Ingenieur und ehemalige Offizier Dino Zei im Jahr 1972 die Manufaktur und benannte sie in „Officine Panerai s.r.l.“ (Panerai-Werkstätten) um.

Nautilo
Nautilo Automatic

Dino Zei erwies sich als ein außerordentlich kreativer Chef. Schon sehr früh experimentierte er mit Bronze als Werkstoff für Taucheruhren. Unter seiner Leitung entwickelte Officine Panerai in den 1980er Jahren eine Uhr, die bis zu 1000 Meter wasserdicht war. Danach wurde es zunächst eher still um den Ingenieur und Uhrenliebhaber. Doch jeder Freund edler und außergewöhnlicher Zeitmesser weiß: Wer erst einmal vom Uhren-Virus befallen ist, den lässt es nicht mehr los. Und so tauchte auch Signor Zei bald wieder auf. Allerdings nicht als Chef von Panerai, sondern im Zusammenhang mit einer jungen italienischen Marke mit dem geheimnisumwitterten Namen Anonimo („anonym“).

Doch erzählen wir die Geschichte der Reihe nach. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre übernahm die Vendome-Gruppe (heute: Compagnie Financière Richemont SA) den Hersteller Panerai. Damit gehörte die Marke zum weltweit zweitgrößten Luxusgüterkonzern der Welt mit Sitz in Bellevue im Kanton Genf. Zur Richemont-Gruppe zählen unter anderem so bekannte Luxus-Uhrenmarken wie A. Lange & Söhne, Cartier und Jaeger LeCoultre. Unter dem Dach von Richemont begann für Panerai ein weltweiter Siegeszug. Gern erzählt man bis heute die Unternehmensgeschichte und vor allem die bescheidenen Anfänge in Florenz, doch das sind mittlerweile nur mehr marketingtaugliche Reminiszenzen. Entwickelt und gefertigt werden die Panerai-Zeitmesser seit 2002 in der Schweiz.

Militare
Militare Vintage

Kaum war Panerai unter den Konzern-Mantel geschlüpft, gründeten im Jahr 1997 einige leidenschaftliche Uhrenfreunde eine neue florentinische Marke. Ziel war es, die Uhrenindustrie in der Renaissance-Stadt nach dem Verkauf von Panerai wieder zu beleben. Mit dabei: Dino Zei. Als Gründer und Spiritus rector der jungen Marke profilierte sich Federico Massacesi, ein ehemaliger Designer bei Ferragamo. Während Panerai allmählich die Weltmärkte eroberte, stand für Anonimo zunächst nur der italienische Markt im Fokus. Das Team hinter der kleinen, aber feinen Marke baute in Florenz hochwertige Uhren und reichte mehrere Patente ein – sowohl für technische Komponenten als auch für Uhrendesigns. Dino Zei brachte sein langjähriges, bei Panerai erworbenes Know-how ein. So entstand zum Beispiel die erste Bronze-Taucheruhr unter seiner Ägide bei Anonimo. Mehrere Modelle wurden speziell für die Taucher der Cooperativa Nazionale Sommozzatori (CNS) - eine Truppe von führenden Tiefseetauchern - entwickelt und gebaut. Im Jahr 2002 kamen dann die eleganten Uhren der Dino Zei-Kollektion auf den Markt.

Etwa zwölf Jahre nach der Gründung begann die zweite Phase der Unternehmensentwicklung. Das neue Management wollte sich nicht allein auf den italienischen Markt beschränken. Schon bald wurden die ersten Anonimo-Zeitmesser auch in Japan, den USA und in Deutschland verkauft. Unternehmenssitz blieb aber zunächst Florenz.

Das Jahr 2013 brachte für Anonimo dann eine erhebliche Zäsur. Ein europäischer Investor erwarb den Uhrenhersteller, siedelte ihn in der Schweiz an und berief schließlich einen neuen CEO, der die notwendige Umstrukturierung des Unternehmens umsetzen soll. Das Ziel: die weltweit geschätzte Schweizer Uhrmacher-Präzision mit italienischem Designer-Talent zu kombinieren. Die zunächst noch sehr breite Kollektion der Marke wurde deutlich verschlankt. Fortan konzentrierte man sich auf zwei Linien: Militare und Nautilo.

Alpini Ltd-Edition
Alpini Ltd-Edition

Die aktuellen Modelle der Nautilo stellen im Grunde eine Neuinterpretation der Taucheruhren von Dino Zei dar. Eines der Hauptmerkmale ist die Krone bei „4 Uhr“ – nach Meinung vieler Taucher die perfekte Positionierung. Die Nautilo zeigt mit einem Gehäuse-Durchmesser von 44,4 Millimetern zwar Größe, ohne es indessen zu übertreiben. Im Inneren tickt das Schweizer Kaliber Sellita SW 2001, das auch von Uhrenherstellern in Deutschland als ETA-Alternative geschätzt wird.

Für ein gewisses Aufsehen unter den Uhrenfreunden in Deutschland und andernorts sorgte ab Sommer 2017 die Nautilo Nato Edition, die Mut zur Farbe beweist. Die Taucheruhr (Preis: 1990 bis 2190 CHF) kommt mit einem schwarzen Kautschuk-Armband zum Kunden. Gleichzeitig erhält er ein Bicolor-Nato-Armband in blau, grün, gelb und rot.

Die Linie Militare erkennt man ebenfalls an der ungewöhnlichen Positionierung der Krone. Sie wurde sowohl bei der Automatik-Variante als auch beim Chronographen bei „12 Uhr“ platziert. Das Design gleicht deshalb ein wenig dem einer Taschenuhr. Die Limited Edition „Militare Alpini“ ist dem Matterhorn gewidmet, dessen bekannte Form offenbar nicht nur die Erfinder von „Toblerone“ inspirierte. Auch das stilisierte „A“ im Logo von Anonimo gleicht dem legendären Berg, der „eine Brücke zwischen Italien und der Schweiz schlägt und damit zwischen den beiden Kulturen“, heißt es bei Anonimo. Die Serie „Militari Alpini“ versteht der Uhrenhersteller daher auch als Hommage an diesen Berggipfel und das vierte Regiment der italienischen Gebirgsjäger („Alpini“). Die Automatik-Modelle der Militare-Reihe werden angetrieben vom Sellita-Werk SW260-1, in die Chronographen-Version wird ein Sellita SW300 mit einem Dubois Dépraz 2035M-Modul eingeschalt.

Zum 20jährigen Bestehen präsentierte Anonimo auf der Baselworld 2017 darüber hinaus die „Militare Vintage“. Der Jubiläums-Zeitmesser veredelt den klassischen Militare-Look mit einem eierschalenfarbigen Zifferblatt, dem Vintage-Aufdruck, den roten Stunden-Markierungen sowie einer 24-Stunden-Einteilung. Wie beim Original, wurde auch beim Vintage-Modell das Datum bei „6 Uhr“ platziert. Die Preise für die Militare-Modelle liegen zwischen 2.590 und 4.690 CHF. Die Uhren können direkt bei Anonimo im Internet bestellt werden.

anonimo.com

Bilder: Anonimo