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Der Markenname Mido steht für den spanischen Ausdruck yo mido, „ich messe“. Was der Uhrenfreund sonst noch über diese Zeitmesser aus der Schweiz wissen sollte, verrät der folgende Beitrag.

Kaum einer spricht heute noch von Milton Reynolds, dabei hat sich dieser Amerikaner um einen wichtigen Gegenstand unseres Alltags verdient gemacht. Mitte der 1940er Jahre entdeckte er in Argentinien ein neues Schreibgerät, das praktischer war als ein Füllfederhalter, aber eben doch mit Tinte arbeitete.

Im Gegensatz zu Bleistiften war das neue Gerät, das ein ungarischer Journalist namens Biró entwickelt hatte, also absolut dokumentenecht. Man nannte es Kugelschreiber. Reynolds erwarb das Patent für die USA und verkaufte in New York in kurzer Zeit nicht weniger als rund 100.000 dieser Kugelschreiber.

Mido-Gründer Georges Schaeren
Mido-Gründer Georges Schaeren

Zugleich war Reynolds begeisterter Pilot. Im Jahr 1947 stellte er einen Rekordflug rund um die Erde auf, was ihm ein hohes Maß an Anerkennung einbrachte, wovon auch ein Schweizer Unternehmen profitierte: der Uhrenhersteller Mido in Biel. Während seines gesamten Fluges trug Milton Reynolds nämlich eine Mido Multicenterchrono-Uhr. Das freilich kam nicht von ungefähr. Schon in den 1940er Jahren waren die Zeitmesser dieses Schweizer Herstellers bei den amerikanischen Soldaten und Piloten sehr begehrt. Unisono lobten sie die außerordentliche Robustheit und Wasserdichtheit, die auch extremen Anforderungen standhielt.

Ein Wunsch geht in Erfüllung

Jetzt feiert Mido sein 100jähriges Jubiläum. Am Tag des Waffenstillstands des Ersten Weltkriegs im November 1918 verwirklichte der damals 36jährige Uhrmacher Georges Schaeren aus Solothurn einen lang gehegten Wunsch. Gemeinsam mit dem Kaufmann Hugo Jubert gründete er in seiner Heimatstadt die Handelsgesellschaft G. Schaeren & Cie, Mido Watch. Schaerens Bruder Henri, damals noch Prokurist und Vertriebsleiter für Omega, erhielt von seinem Chef die Erlaubnis, neben Omega-Uhren auch Zeitmesser von Mido zu verkaufen.

Man sah Mido offenkundig noch nicht als einen ernstzunehmenden Konkurrenten an.

Mido-Commander
Mido-Commander Big Date


Im Mai 1925 wurde die bis dahin bestehende Handelsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Mido AG). Der Bruder des Unternehmensgründers, Henri Schaeren, trat nun auch in den Verwaltungsrat (Vorstand) des Unternehmens ein und bekleidete fortan die Position des Vertriebsdirektors.

Wie behauptet sich ein kleines, junges Unternehmen aber gegen all die Platzhirsche der Branche, die es natürlich damals schon gab? Mido setzte auf sogenannte „Phantasieuhren“. Sie wurden durch den Sport und die Mode inspiriert. Später kamen die Uhren des „Automobilisten“ hinzu, deren Exemplare nach Angaben von Mido heute bei Auktionen fünfstellige Summen erzielen.

Das Design dieser Zeitmesser orientierte sich an den Kühlergrills populärer Automarken, wie Bugatti, Fiat oder Excelsior. Besonders begehrt war damals die Mido Bugatti aus den 1920er Jahren. Die „Autouhren“ waren so erfolgreich, dass sich Mido 1927 entschloss, erstmals am Genfer Autosalon teilzunehmen und dort für seine Zeitmesser in Kühlerform zu werben.

Mido Baroncelli
Mido Baroncelli 100th Anniversary Limited Edition


In den 1930er Jahren schien die Erfolgsstory von Mido unversehens zu Ende zu sein. Infolge der Weltwirtschaftskrise schrieb das Unternehmen tiefrote Zahlen und konnte nur mit großer Mühe überleben. Im Zeichen der Rationalisierung entwickelte Mido fortan funktionelle und robuste Uhren. Diese neue Philosophie reflektierte das Modell Mido Multifort, das im Jahr 1934 lanciert wurde und sich durch vier klar definierte Eigenschaften auszeichnete: Diese Zeitmesser waren wasser- und staubdicht, rostfrei, stoßfest und antimagnetisch. Zudem sollten diese Uhren auch bezahlbar bleiben.

Im Jahr darauf kam die Multifort als Automatik-Variante auf den Markt. Ziel des Unternehmens war es, schlichte und funktionelle Uhren mit Automatikwerken anzubieten, die sich selbst unter schwierigsten Bedingungen als robust und zuverlässig erwiesen. Ab dem Jahr 1937 ging der Hersteller noch einen entscheidenden Schritt weiter und stellte die Multifort als wasserdichte Chronographen her. Die neue Strategie ging auf. Ab dem Jahr 1938 schrieb Mido endlich wieder schwarze Zahlen.

Der „Mido-Roboter“ als Werbe-Highlight

Gleichzeitig gelang Mido ein vielbeachteter Werbecoup: Die Vorstellung seines Uhrwerks „Super-Automatic“ ließ das Unternehmen von dem „Mido-Roboter“ als Symbol für Fortschritt und Robustheit flankieren. Bei seinem ersten Auftritt auf der Basler Uhrenmesse (der heutigen Baselworld) wurden sage und schreibe mehr als 60.000 Mido-Roboter verteilt. Das neue Uhrwerk „Super-Automatic“ war nicht weniger erfolgreich. Sogar manche Wettbewerber griffen auf dieses Kaliber zurück.

Auch in den Folgejahren zeichnete sich Mido durch ein hohes Maß an uhrmacherischer Raffinesse und Innovationskraft aus. So war Mido 1945 der erste Uhrenproduzent, der einen Chronographen auf den Markt brachte, dessen Elemente der Stopp-Funktion in der Mitte arrangiert waren. Neun Jahre später brachte Mido den bis dahin effizientesten Aufziehmechanismus auf den Markt. Und im Jahr 1959 wurde mit der Mido Ocean Star das damals revolutionäre Monocoque-Gehäuse (Einschalengehäuse) eingeführt. Die Konzeption der Ocean Star blieb bis heute ihrem Ruf gerecht und wird in der bekannten Commander-Kollektion verwendet.

In eine etwas andere Richtung ging eine Innovation in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. Damals lancierte Mido die kleinste automatische Uhr, die jemals am Fließband produziert wurde. Vermutlich ab 1962 und dank der neuen Modellreihe Ocean Star Commander befasste sich Mido darüber hinaus mit der Zertifizierung von Chronometern. Zu dieser Zeit ist Mido mit Vertrieb und Service bereits in 111 Ländern vertreten.

Anfang der 1970er Jahre wurde ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufgeschlagen: Am 23. Januar 1971 verkaufte die Familie Schaeren das Familienunternehmen Mido an die General Watch Co. Ltd. (GWC), eine Holdinggesellschaft der damaligen ASUAG (Allgemeine Schweizerische Uhrenindustrie AG). Dies führte letztlich dazu, dass Mido heute zum Swatch-Konzern gehört (unter anderem zusammen mit Marken wie Omega, Glashütte Original, Blancpain, Tissot und Longines).

Wie die meisten anderen Schweizer Uhrenhersteller schlitterte auch Mido Mitte der 1970er/Anfang der 1980er Jahre in die Quarzkrise. Die günstigen und sehr genauen Quarzuhren aus Japan verdrängten zunehmend die mechanischen Zeitmesser. Dennoch brachte Mido auch in dieser Phase seiner Unternehmensgeschichte interessante neue Modelle auf den Markt, so zum Beispiel das langlebige Modell Baroncelli, das 2016 seinen 40. „Geburtstag“ feiern konnte. Ende 1979 vertrieb Mido somit vier wasserdichte Kollektionen mit klar definierten Merkmalen: Die Ocean Star Commander galt als sportlich-elegantes Spitzenprodukt des Hauses, die Baroncelli als elegante und besonders flache Quarzuhr, die Multifort als sportlich funktionelles Einstiegsmodell, erhältlich mit Automatik- und Quarzwerk, sowie das Goldmodell Dreamline.

Multifort Datometer
Mido Multifort Datometer Limited Edition

Trotz zunehmender wirtschaftlicher Probleme der Branche brachte Mido Ende 1980 mit der Ocean Star No.1 sogar ein weiteres Spitzenmodell auf den Markt und konnte überdies den damals weltbesten Tennisspieler Björn Borg für seine Werbekampagne gewinnen.

Mido gehört zur Swatch-Familie

Im Jahr 1983 fusionierten die beiden größten Schweizer Unternehmensgruppen aus der Uhrenbranche, die ASUAG und die SSIH. Somit wurde Mido in den neuen Unternehmensverbund integriert, der 1998 in Swatch Group umbenannt wurde und unter der Ägide des legendären Nicolas G. Hayek (1928-2010) stand. Unter den zahlreichen Marken des Konzerns musste sich Mido neu positionieren. Dies geschah durch die Entwicklung neuer Uhren mit innovativen Funktionen.

Im Herbst 1995 wurden die ersten beiden Produkte mit Midos neuem Image auf den Markt gebracht. Es handelte sich um das Modell Bodyguard, eine Uhr mit einem mehr als 100 Dezibel lauten Alarm, und um das Modell Worldtimer, die als erste Uhr durch einfaches Drücken der Krone und eine Drehung der Lünette automatisch die Zeit verschiedener Zeitzonen anzeigte.

Mido Multifort GMT
Mido Multifort GMT

Im Jahr 2002 lancierte Mido die Kollektion All Dial, deren Design direkt von der Architektur in Rom inspiriert war. Im Jahr darauf knüpfte das Unternehmen durch eine Zusammenarbeit mit Jorn Utzon, dem Architekten der berühmten Oper von Sydney, noch engere Bindungen zur Welt der Architektur. Zu Beginn des Jahres 2002 verstärkte Mido seine visuelle Idenität mit der Integration der beiden neuen Farben Orange und Schwarz.

In den Folgejahren unterstrich Mido mit neuen Modellen immer wieder seine Verbundenheit mit der Architektur, so zum Beispiel im Jahr 2012 mit der Markteinführung der Kollektion Great Wall, die von der chinesischen Mauer inspiriert wurde. In den nächsten Jahren begeisterten vor allem der Commander Chronometer Limited Edition, die sehr flache Baroncelli Heritage sowie der Multifort Chronograph Adventure die Uhrenfreunde. Im Jahr 2017 folgte mit der ebenso robusten wie leichten Ocean Star Caliber 80 Titanium aus Sicht des „Uhrengourmet“ das aktuell attraktivste Sport-Modell von Mido. Den eleganten Kontrapunkt setzt die Commander Icone aus dem Jahr 2017 – besonders mit silbernem Zifferblatt eine wahre Augenweide. Einige der Neuheiten des Jahres 2018 schließlich sind auf dieser Seite zu sehen.

Bilder: Mido