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Baselworld 2018

Wie hatten sie geunkt – die Branchen-Insider, die Fachjournalisten und auch manche Manager der Luxusindustrie. Deutlich weniger Aussteller kämen in diesem Jahr zur führenden Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Stimmt, in diesem Jahr waren rund 600 Marken in Basel vertreten, 2017 hatten sich noch etwa 1200 Unternehmen präsentiert. Und verkürzt habe man die internationale Messe ebenfalls. Stimmt auch. Was hingegen nicht stimmt, ist die Behauptung, dass die Hersteller hochwertiger Zeitmesser ein weiteres Jahr der Krise durchleben müssten. Denn tatsächlich stellte die Baselworld 2018 im Rückblick betrachtet eine Art Turnaround dar.

Schon im Januar waren die Ausfuhren eidgenössischer Nobelticker-Hersteller gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um 12,6 Prozent gestiegen. Branchenkenner Jean-Claude Biver, Chef der Uhrensparte beim französischen Luxuskonzern LVHM, rechnet für 2018 mit einem Wachstum zwischen fünf und sieben Prozent.

TAG-Heuer Monaco Gulf 2018
Die neue Pepsi-Rolex
Der neue Schaltradchrono von Sinn Spezialuhren
Der klassische Fliegerchronograph Sinn 103 Sa-BE
Meister Chronoscope Terrassenbau

„Wir hatten in diesem Jahr ebenso viele Pressekonferenzen und Meetings wie in der Vergangenheit. Doch die Zahl der Anfragen war auf der Baselworld 2018 höher“, freut sich Shinji Hattori, CEO von Seiko Watch.

Retro-Trend ist angesagt

Aber mit welchen Trends haben die Marken die Uhrenfreunde in aller Welt nach vorübergehender Zurückhaltung wieder überzeugt (wobei diese „Zurückhaltung“ zu einem Großteil sicher der Einführung der Luxussteuer in China geschuldet ist)? Wer sich in den edlen Ausstellungspavillons der Baselworld 2018 umschaute, machte einen Trend aus, der auch über der Messe an sich hätte stehen können: Weniger ist mehr. Weniger Schickschnack, „aufgeräumte“ Zifferblätter und Gehäusegrößen, die sich irgendwo zwischen „tickenden Nivea-Dosen“ und Konfirmantenuhren einpendeln. Dafür hat sich der Mut zu mehr Farbe, der bereits in den vergangenen Jahren zu spüren war, noch einmal verstärkt. Und nachdem bisher vor allem die Farbe Blau en vogue war, kommt jetzt zunehmend Grün ins Spiel. Sogar der Luxusuhrenhersteller Glashütte Original, der nicht auf jeden Modetrend aufspringt, hat mit der Senator Sixties Panoramadatum eine Uhr mit dezent grünem Zifferblatt im Sortiment.

Ebenfalls verstärkt hat sich der Retro-Trend. Seit Jahrzehnten geschätzte Uhrenikonen wurden auf der Baselworld in neuer Interpretation gezeigt, wobei die Designer mit sehr viel Fingerspitzengefühl vorgingen, um sich nicht allzu weit von den historischen Originalen zu entfernen. Zu den meistfotografierten Novitäten der Baselworld 2018 dürfte die neue Rolex GMT-Master mit der blau-roten Lünette (von ihren Fans „Pepsi“ genannt) gehört haben. Die Geschichte dieser Uhr reicht bis in die 1950 Jahre zurück, als Manager der damaligen Fluggesellschaft PanAm die Genfer Manufaktur Rolex mit der Entwicklung einer Zeitzonen-Armbanduhr beauftragten. Herausgekommen ist unter anderem das bei Sammlern hochgeschätzte (auch was den Preis angeht) Modell „Pepsi“. Die Neuinterpretation mit dem Manufakturkaliber 3285 und der blau-roten Cerachrom-Lünette kostet in der Edelstahl-Variante rund 8400 Euro.

„Pepsi“ von Tudor

Die Schwestermarke Tudor präsentierte zur Messe im Rahmen ihrer Black Bay-Linie die GMT ebenfalls im „Pepsi“-Look für 3620 Euro. TAG-Heuer setzt mit Neu-Interpretationen des Erfolgsmodells Monaco ebenfalls auf den Retro-Trend. Die Monaco Gulf 2018 Special Edition dürfte sicher wieder Liebhaber in aller Welt finden.

Auch die deutschen Hersteller gehen selbstbewusst in die neue Uhrensaison. Als Reminiszenz an historische Fliegeruhren versteht zum Beispiel Sinn Spezialuhren den von der Farbe Blau bestimmten Fliegerchronographen 103 Sa BE. Zu den weiteren, demnächst auf den Markt kommenden Highlights des Frankfurter Herstellers gehören der Schaltradchronograph mit SRS-(Flyback-)Funktion sowie der Chronograph 936 mit 60er Teilung bei der Stoppminute.

Der Schwarzwälder Uhrenhersteller Junghans, der trotz eines schwierigen Umfeldes auch im vergangenen Jahr wieder schwarze Zahlen schrieb, wird in Kürze einen Zeitmesser auf den Markt bringen, der dem neunstöckigen, denkmalgeschützten Terrassenhaus des Unternehmens Reverenz erweist – mit der limitierten „Junghans Terrassenuhr“.

Während viele Hersteller inzwischen etwas günstigere Einstiegsmodelle auf den Markt bringen, tut sich auch viel am anderen Ende der Preisskala. Die Dresdner High-End-Manufaktur Lang & Heyne präsentierte etwa ihren neuen Tourbillon „Anton“ im rechteckigen Gehäuse, entweder in Gold oder in Platin. Dieses filigrane Beispiel der Haute Horlogerie sollte einem Uhrenfreund in der Platin-Variante allerdings schon rund 100.000 Euro wert sein.

Dieser Beitrag von Michael Brückner erschien erstmals im Printmedium DUB-Unternehmermagazin (www.dub.de), 2-2018

Bilder: Sinn Spezialuhren, TAG Heuer, Rolex, Lang & Heyne, Baselworld