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Zeno Watch

Für ein paar Minuten unterbricht der Uhrmacher, der sich eben noch konzentriert einem Zeitmesser aus der Serienproduktion gewidmet hat, seine Arbeit, nimmt die Lupe vom Auge und langt mit sicherem Griff in ein Gefach. Stolz präsentiert er ein Werk der höchsten Uhrmacherkunst: Ein Tourbillon in einem Modell der Schweizer Marke Zeno-Watch Basel. Immer wieder arbeitete er in seiner Freizeit an diesem filigranen Wirbelwind, den einst Altmeister Abraham Louis Breguet entwickelte, um die Ganggenauigkeit von Taschenuhren zu erhöhen.

So viele Arbeitsstunden stecken in diesem Einzelstück, dass der Preis vermutlich das Budget eines Sammlers mit durchschnittlichem Einkommen übersteigen dürfte. „Sie sehen, so etwas können wir auch“, sagt Felix W. Huber, der seit über 40 Jahren an der Spitze des unabhängigen Familienunternehmens Zeno-Watch Basel steht und gemeinsam mit seinem Sohn Patrik-Philipp Huber die Geschäfte führt.

Wenn man wollte, so die implizite Botschaft dieser kurzen Demonstration, könnte man natürlich auch Meisterwerke der Haute Horlogerie für fünfstellige Preise auf den Markt bringen. Das Know-how wäre immerhin vorhanden. Allein, es widerspräche der Philosophie der Marke, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Denn die Maxime lautet: gute Schweizer Qualität zu fairen Preisen. Mechanische Uhren von Zeno-Watch sind schon für etwas mehr als 500 Euro zu haben, die Top-Modelle kosten aktuell zwischen 1.800 und 2.200 Euro, Zeitmesser in Goldgehäusen entsprechend mehr.

Zeno mit Tourbillon
Zeno mit Tourbillon

Obwohl in der Kollektion des Familienunternehmens mechanische Uhren deutlich überwiegen, bietet Zeno-Watch auch eine breite Auswahl an Quarzuhren an. „Liebhaber und Sammler bevorzugen natürlich mechanische Zeitmesser. Doch verzeichnen wir eine steigende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Quarzuhren. Sie sind preislich einfach günstiger“, weiß Patrick-Philipp Huber. Das Modell „Bauhaus“ mit Schweizer Quarzwerk kostet zum Beispiel 234 Euro und damit weniger als die Hälfte der mechanischen Einsteiger-Modelle.

Das Image von Quarzuhren litt in den zurückliegenden Jahren vor allem an den Billigstprodukten mit einfachen Werken, die für ein paar Euro erhältlich sind und in der Regel schon nach geraumer Zeit wieder entsorgt werden. In den Quarzmodellen von Zeno-Watch jedoch arbeiten Schweizer Qualitätswerke von Ronda und ETA.

Wer in dem umfangreichen Katalog des Basler Herstellers blättert, erkennt sehr schnell, wo die Schwerpunkte der Kollektion liegen. Der „Nischenplayer“, wie Patrik-Philipp Huber das Unternehmen nennt, fertigt zum einen klassische mechanische Armbanduhren, vor allem aber Fliegeruhren sowie große und übergroße Zeitmesser. „Think big“ könnte die Devise des Herstellers lauten – und viele Kunden rund um die Welt fühlen sich davon angesprochen. Wie oft wurden Zeitmesser im XXL-Format als Ausdruck eines kurzlebigen Modetrends bezeichnet und eine baldige Rückkehr zu dezenteren Gehäuse-Durchmessern vorhergesagt. Doch längst haben sogar die konservativeren unter den Schweizer Manufakturen ihre Uhren um ein paar Millimeter wachsen lassen. Kein Wunder, wirken Modelle mit 36 Millimetern Durchmesser oder gar noch weniger an kräftigen Männer-Handgelenken bisweilen wie Konfirmanten-Uhren. Zudem ist der Trend hin zu übergroßen Zeitmessern keineswegs neu, sondern eigentlich nur eine konsequente Fortschreibung der Geschichte der Armbanduhren. Die nämlich waren anfangs nichts anderes als am Handgelenk befestigte Taschenuhren, die in der Regel eine stattliche Größe aufwiesen. Diese Dimensionen kamen später den Piloten sehr zupass, mussten sie doch im Cockpit auch nachts schnell und präzise die Zeit ablesen können. Fliegeruhren zeigen daher schon traditionell Größe.

Nicht nur in der Luft, sondern gleichermaßen zu Lande waren damals Uhren mit großem Gehäusedurchmesser gefragt. Die klassischen Eisenbahner-Taschenuhren wiesen nicht selten einen stattlichen Durchmesser von 70 Millimetern auf. Im Vorgänger-Atelier von Zeno-Watch wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts solche Uhren für Eisenbahn-Mitarbeiter gefertigt.

SOS - Die Super-Oversized-Modelle

Felix W. Huber
Felix W. Huber

Übergroße Uhren haben für das Basler Unternehmen mithin eine lange Tradition. Besonders markant erscheinen in der aktuellen Kollektion die sogenannten SOS-Modelle, wobei diese drei Buchstaben nicht als Notruf verstanden werden dürfen, sondern als Abkürzung für „Super Oversized“. Und das heißt im Hause Zeno-Watch, dass der Gehäuse-Durchmesser nicht weniger als 55 Millimeter ausmacht. Diese Modelle gibt es mit Handaufzug (Unitas 6498), mit Automatik-Werk (ETA 2824) und als Chronograph mit dem Valjoux-Kaliber 7750. Uhren in dieser Größe mögen im ersten Moment sicher gewöhnungsbedürftig erscheinen, an einem kräftigeren Männer-Handgelenk sind sie jedoch allemal ein Hingucker – und obendrein zu jeder Tages- und Nachtzeit hervorragend ablesbar. Die SOS-Uhren kosten zwischen 638 Euro für das Automatik-Modell und 1.576 Euro für den Chronographen.

Zu unseren persönlichen Highlights aus der Kollektion gehört ferner eine Automatik-Uhr (OS Pilot) mit Zeigerdatum, die sowohl mit schwarzem Zifferblatt als auch in einer speziellen Retro-Variante erhältlich ist (Preise zwischen 776 und 916 Euro). Ein weiterer „Leckerbissen“ für Liebhaber und Sammler: der Automatik-Chronograph mit Rechenschieber-Lünette (OS Slide Rules), in dem das Kaliber Dubois-Depraz 2020 tickt (Preis: knapp 1.850 Euro). Ein Flaggschiff ist sicher der Vollkalender-Chronograph mit Mondphase, der von einem Valjoux-Werk 7751 angetrieben wird und etwas mehr als 2.000 Euro kostet. Wer kleinere Gehäuse-Durchmesser bevorzugt, für den könnten die Modelle der Magellano-Reihe interessant erscheinen (Durchmesser 42 Millimeter). Die Preise reichen von etwas mehr als 500 Euro bis zu knapp 4.000 Euro für das goldene Modell mit Daydate-Anzeige.

Patrik-Philipp Huber
Patrik-Philipp Huber

Verglichen mit anderen Schweizer Marken sind die Uhren von Zeno-Watch somit noch relativ günstig. „Durch die Modulbauweise können größere Serien hergestellt werden, was sich positiv auf das Preis-Leitungsverhältnis auswirkt“, erläutert Patrik-Philipp Huber. Das heißt konkret, gleiche Bestandteile wie Gehäuse, Zifferblatt, Bänder und Uhrwerke werden immer wieder verwendet und sind austauschbar. Überdies hält sich der Marketingaufwand in Grenzen. Von teurer Image-Werbung, deren Kosten letztlich auf das Produkt umgeschlagen und vom Käufer mitbezahlt werden müssen, hält man bei Zeno-Watch nicht viel. Und wenn ein Prominenter eine Uhr von Zeno-Watch Basel trage, dann weil sie ihm gefalle und er sie für eigenes Geld erworben habe, versichert Huber.

Sieht man von der internationalen Fachmesse „Baselworld“ einmal ab, die nicht allzu weit entfernt vom Firmensitz von Zeno-Watch jedes Frühjahr stattfindet, gehört die Stadt Basel sicher nicht zu den bekanntesten Standorten der Schweizer Uhrenbranche. Und tatsächlich begann die Geschichte des Unternehmens in der Uhrenhochburg La Chaux-de-Fonds – bis heute unter anderem Sitz des Musée International d’Horlogerie (MIH). Dort machte sich Jules Godat im Jahr 1868 mit einem bescheidenen Atelier selbstständig und fertigte silberne Taschenuhren. Er legte damit zudem den Grundstein für die heutige Firma Zeno-Watch Basel. Nach dem Ausscheiden des Gründers stellte das Atelier zunächst Eisenbahner-Uhren her. Zur Jahrhundertwende wurde das Atelier erweitert und auf den elektrischen Maschinenantrieb umgestellt.

Eine neue Ära in der Firmengeschichte begann im Jahr 1920, als André-Charles Eigeldinger die Uhrenfabrikation Godat übernahm. Fortan stand die Fertigung von Beobachtungsuhren für militärische Zwecke, Rechenschieberuhren sowie Taschenuhren aus Silber, Gold und Platin in Mittelpunkt. Zwei Jahre später ließ das Unternehmen Eigeldinger & Söhne den Markennamen „Zeno“ registrieren. Ein durchaus anspruchsvoller Markenname, immerhin bedeutet dieses Wort etwa „Geschenk des Zeus“ oder „von Gott gegeben“. Immer stärker stand fortan die Fertigung von Armbanduhren im Vordergrund. Die ersten Zeno-Uhren für’s Handgelenk waren aus Gold und ausschließlich für den Export bestimmt. Zum 15jährigen Markenjubiläum von Zeno brachte das Unternehmen dann 1937 die ersten Uhren mit integrierter Stoppfunktion und Schalltelemeter auf den Markt. Nachdem die Produktion vorübergehend nach Biel gewechselt war, begann Anfang der 1960er Jahre die Entwicklung der mechanischen Zeno-Fliegeruhren.

Der Beginn der „Ära Huber“

Zeno SOS
Zeno SOS

Die ersten typischen Zeno-Modelle mit ihrem bis heute unverwechselbaren Design entwickelte ab 1966 Felix W. Huber – beruflich wie privat ein ambitionierter und engagierter Uhrenliebhaber. Später übernahm die Familie Huber den Uhrenhersteller und wechselte mit der Armbanduhrenmontage und der Serviceabteilung nach Basel. Dort präsentierten Huber und sein Team erstmals die Vakuum-Taucheruhr „Compressor“. Mit der Airforce-Kollektion knüpfte Zeno-Watch darüber hinaus an die große Tradition des professionellen Fliegeruhrenbaus an.

Es gibt Unternehmer, deren Affinität zu der von ihnen hergestellten Ware sich durchaus in Grenzen hält. Dies sind die Pragmatiker, die heute Uhren, morgen Zubehörteile für Autos, übermorgen Tiernahrung und anschließend vielleicht Baustoffe verkaufen. Dass Felix W. Huber zum Uhrenfabrikanten wurde, ist freilich weder dem Zufall noch unternehmerischem Pragmatismus geschuldet. Seine Uhren nennt er „seine Kinder“, die seine ganze Hingabe erforderten. „Schon beim Aufstehen denke ich an sie – und manchmal nehme ich sie gedanklich mit in den Schlaf“. So kann nur jemand reden, der in Uhren mehr sieht als reine Zeitmesser.

Trotz der unübersehbaren Konkurrenz durch große Schweizer Hersteller, die teils zu börsennotierten Luxusgüterkonzernen zählen, behauptet sich der unabhängige Familienbetrieb in Basel recht erfolgreich auf den internationalen Märkten. Immerhin ist die Marke Zeno-Watch in 43 Ländern erhältlich. Die Uhren aus Basel haben sich längst eine Fangemeinde erobert, weshalb es keiner aufwändigen Werbeaktionen bedarf.

www.zeno-watch.ch

Bilder: Zeno-Watch Basel