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ochs und junior - Mondphase

Die Uhren der noch jungen Schweizer Marke „ochs und junior“ stehen für intelligente Vereinfachung und einfach-geniale Lösungen für verschiedene Zusatzfunktionen der Zeitmesser. Mitinhaber und Spiritus rector ist Ludwig Oechslin, ein bekannter und bekennender Querdenker der Uhrenbranche. Wir besuchten „ochs und junior“ im Uhrenloft in Luzern. Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung. Diese Erkenntnis stammt nicht etwa von einem Unternehmensberater oder einem zeitgenössischen Künstler des Minimalismus, sondern vom italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci (1452-1519).

Und auch Autoren lernen meist sehr schnell, dass die eigentliche Herausforderung nicht darin besteht, Einfaches kompliziert, sondern Kompliziertes einfach zu machen. Für die anspruchsvolle Uhrmacherei scheint dies jedoch nicht zu gelten. Je komplizierter der Zeitmesser, desto besser. Eine Vielzahl von Komplikationen katapultiert den Preis einer Uhr schnell in den fünfstelligen Bereich.

„Wir ticken anders. Wir folgen dem Prinzip der ultimativen und intelligenten Vereinfachung“, sagt Beat Weinmann, CEO der jungen Schweizer Marke „ochs und junior“. Schon der Name der Firma ist ein Kapitel für sich, das wir am Ende dieses Beitrags kurz aufschlagen wollen. Hinter der kleinen, aber feinen Marke steht mit Ludwig Oechslin ein bekannter Querdenker der Schweizer Uhrenbranche. Er ist Physiker, Astronom, Mathematiker, Altertumswissenschaftler und - Uhrmachermeister. Er dürfte der weltweit einzige Uhrmacher sein, der einen Professorentitel trägt. Viele Freunde außergewöhnlicher Zeitmesser kennen Oechslin als Kurator des Internationalen Uhrenmuseums (MIH) in La-Chaux-de-Fonds und aufgrund seiner früheren Tätigkeit als Konstrukteur und Projektmanager vor allem für den renommierten Hersteller Ulysse Nardin. Als Unternehmer, der mit Beat Weinmann und dem neuen strategischen Partner Ulysee Nardin an „ochs und junior“ beteiligt ist, entwickelt Oechslin seine Maxime von der intelligenten Vereinfachung konsequent weiter und überrascht die Uhrenfreunde mit genial-einfachen oder einfach-genialen Lösungen. Während für Zusatzfunktionen wie etwa Kalenderschaltungen üblicherweise Hebel und Federn eingesetzt werden, ist Oechslin überzeugt, dass ein Getriebe die bessere Lösung für eine Armbanduhr darstellt.

Ludwig Oechslin
Ludwig Oechslin

Beat Weinmann wiederum kennen wir aus seiner Zeit beim Luzerner Uhrendetailhändler Embassy, wo wir vor einigen Jahren die offizielle Uhr des Internationalen Uhrenmuseums (MIH-Uhr) erwarben und statt einer aufwändigen Box eine aktuelle Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung erhielten, in die wir die Uhr einwickeln könnten. Wir legten den Zeitmesser jedoch gleich ans Handgelenk und nahmen die NZZ zusammen mit den damit verbundenen Erinnerungen ins Archiv unseres Redaktionsbüros. Doch auch der Gag mit dieser Zeitung steht für radikale Vereinfachung und für den Verzicht auf alles, was eigentlich nicht zur Uhr gehört. Kurz: Es geht um die Reduktion aufs Wesentliche. Hinter der MIH-Uhr stand neben Ludwig Oechslin, dem Industrie-Designer Christian Gafner und Beat Weinmann vor allem der geniale Zürcher Uhrenkonstrukteur Paul Gerber. Bei der MIH-Uhr handelt es sich um einen besonderen Jahreskalender, der eigentlich Kompliziertes einfach macht. Er kommt mit lediglich neun beweglichen Teilen aus. Normalerweise braucht man für eine solche Zusatzfunktion 30 bis 40 Teile.

Begegnung im Uhrenloft

Dieses Mal trafen wir Beat Weinmann im Uhrenloft von „ochs und junior“ (bisweilen auch als „oxloft“ bezeichnet) in der Luzerner Zürichstraße und ließen uns die konsequente Weiterentwicklung des Prinzips der intelligenten Vereinfachung erläutern, was natürlich am besten anhand der außergewöhnlichen Kollektion der kleinen Uhrenmarke funktioniert.

Beat Weinmann
Beat Weinmann

Drei Jahre Entwicklungsarbeit investierte Oechslin zum Beispiel in einen völlig neuen Jahreskalender mit spiralförmiger Datumsanzeige. Die Uhr mit dem Namen „anno“ verfügt über nur drei bewegliche Bauteile sowie das Zifferblatt, das auf der Unterseite als Zahnradaufnahme dient. Die erwähnte Spirale besteht aus 31 Datumsbohrungen auf einer 30er Einteilung. In der jeweiligen Bohrung erscheint eine farbige Markierung. Der Träger dieser Uhr kann das Datum rein über die Position der auf diese Weise gekennzeichneten Bohrung ablesen. Die Datumsbohrungen im Abstand von zwei Minuten geben außerdem präzise Hinweise auf die genaue Minute.

Im Gegenuhrzeigersinn wird in einem 12er-Lochkreis der Monat angezeigt. In einem 7er-Lochkreis darunter signalisiert – ebenfalls im Gegenuhrzeigersinn – ein weiterer farbiger Punkt den Wochentag. Diese Uhr ist unter dem Namen „mese“ auch lediglich mit spiralförmiger Datumsanzeige, also ohne Monats- und Wochentagsanzeige, erhältlich.

„Unsere vielbeachtete Mondphasenuhr (Bild oben) hat sich in den vergangenen Monaten mehr und mehr zu unserem Referenzmodell entwickelt“, erläutert Beat Weinmann. Die Uhr („selene“) zeigt die Mondphase an, indem sie den Erdtrabanten auf einer Scheibe durch einen Zifferblatt-Ausschnitt wandern lässt, der die Form einer Sichel hat. Der Mond umkreist dabei eine symbolisch dargestellte Erde.

Die Zeitzonen-Uhr der kleinen Marke („due ore“) überzeugt ebenso durch eine verblüffend einfache Raffinesse: Der Stundenzeiger informiert in gewohnter Weise über die Lokalzeit. Doch gleich unter den Stundenindexen befinden sich kleine Fenster, hinter denen eine einstellbare Zeitzonenscheibe läuft. Der Träger dieser Uhr kann also sogar mit einem flüchtigen Blick die Zeit in zwei Regionen der Welt abrufen.

ochs und junior
Zeitzone

Gehäuse vom Formel 1-Experten

Die „ochs und junior“-Zeitmesser werden von bewährten und robusten ETA-Werken angetrieben. Die Zifferblätter bedruckt die deutsche Firma Cador - ebenfalls eine erste Adresse der Branche. Zum überschaubaren Team der kleinen Marke gehören unter anderem die erfahrene Uhrenkonstrukteurin Marion Müller, die in ihrem Atelier auf dem Gelände eines historischen Klosters die Uhren von „ochs und junior“ zusammenbaut. Die Gehäuse und weitere feinmechanische Teile fertigt Peter Cantieni, der ansonsten vor allem für das Schweizer Formel 1 Team Sauber arbeitet und als Experte für den Werkstoff Titan gilt, aus dem die Uhren von „ochs und junior“ bestehen. Auf Wunsch sind auch Uhren mit silbernen Gehäusen lieferbar.

Die Zeitmesser der Luzerner Marke können Interessenten im Internet individuell konfigurieren. „Auf unserer komplett neu gestalteten Internetseite kann man mit dem Design-Tool neben der Funktion der Uhr die Gehäusegröße und die individuelle Farbzusammenstellung von Zifferblatt, Zeigern, Datumspunkten und Band spielerisch ausprobieren und bestellen“, erläutert Beat Weinmann. Die Uhren gibt es nur im Loft in Luzern und im Internet. Sie werden individuell gefertigt und nach etwa zehn bis zwölf Wochen ausgeliefert. Je nach Funktion, kosten die Zeitmesser zwischen 6.000 und 8.000 Schweizer Franken, silberne Gehäuse gibt es gegen Aufpreis.

Bleibt die Frage, wie es zu dem für eine Uhrenmarke doch sehr seltsamen Namen „ochs und junior“ kam. Die Idee stammt von Oechslins Sohn Giorgio. Beim Mittagessen mit der Familie hatte er das Bild vom alten, wagenziehenden Ochsen im Kopf – und daneben der coole Junior. Der Markenname war geboren – und wird seither in die Innenseite der Lederbänder der „ochs und junior“-Uhren eingebrannt. www.ochsundjunior.ch

Bilder: ochs und junior